Mythen und Fakten rund um Fieber bei Kindern
Hohes Fieber ist seit jeher ein „Alarmzeichen“ für Eltern und andere Betreuungspersonen, insbesondere wenn es Richtung 40 °C oder sogar darüber hinaus geht.
Die Höhe des Fiebers allein lässt aber keinen zuverlässigen Rückschluss auf die Schwere der Erkrankung zu. So können auch schwere Infektionen mit wenig Fieber einhergehen, während bestimmte Viruserkrankungen, die von alleine ausheilen, hohes Fieber verursachen können. Darauf weisen zwei pädiatrische Notfallmediziner aus den USA und Großbritannien in einem aktuellen Übersichtsartikel hin.
Ihre Aussagen stimmen mit den Empfehlungen der 2025 veröffentlichten S3-Leitlinie zum Fiebermanagement bei Kindern und Jugendlichen überein.
„Keuchhusten kann zum Beispiel mit nur leicht erhöhter Temperatur oder ohne Fieber einhergehen und insbesondere bei Säuglingen schwer verlaufen. Auf der anderen Seite verursacht das Dreitagefieber dagegen häufig hohes Fieber, verläuft aber meist unkompliziert und heilt von selbst aus. Sind Eltern unsicher bzw. ist die Fieberursache unklar, sollten sie sich an ihre Kinder- und Jugendärztin bzw. ihren Kinder- und Jugendarzt wenden“, erläutert Prim. Univ. Prof. Dr. Reinhold Kerbl, Generalsekretär der Österreichischen Gesellschaft für Kinder- und Jugendheilkunde (ÖGKJ).
Kinder entwickeln deutlich häufiger Fieber als Erwachsene. „Nach der S3-Leitlinie zum Fiebermanagement gilt bei Kindern und Jugendlichen eine Körpertemperatur ab 38,5 °C als Fieber. Bei Säuglingen unter drei Monaten liegt die Grenze bereits bei 38,0 °C, rektal – also im Po – gemessen. In diesem Alter muss Fieber umgehend ärztlich abgeklärt werden. Auch ohne Fieber kann ein sehr junger Säugling schwer erkrankt sein“, so Prim. Univ. Prof. Dr. Reinhold Kerbl, der die Kinder- und Jugendabteilung am LKH Hochsteiermark in Leoben leitet.
Warnzeichen sind unter anderem ein stark beeinträchtigter Allgemeinzustand, Bewusstseinsstörungen, ungewöhnliche Schläfrigkeit mit schlechter Weckbarkeit, fehlende Spielbereitschaft, starke Schmerzen oder schrilles Schreien.
Auch Zeichen der Austrocknung, etwa deutlich weniger Urin, sehr schnelles Atmen, Luftnot, nicht wegdrückbare Hauteinblutungen sowie sehr blasse, graue oder blaue sowie unerklärlich schweißnasse Haut erfordern unverzügliche medizinische Abklärung. Bei schwerer Atemnot, Bewusstlosigkeit oder fehlender Ansprechbarkeit sind sofort der Rettungsdienst bzw. ggf. der Notarzt zu verständigen.
Fiebersenkende Medikamente verhindern keine Fieberkrämpfe
In dem aktuellen Artikel weisen die Autoren auch darauf hin, dass fiebersenkende Medikamente Fieberkrämpfe nicht verhindern können. Fiebersenkende Medikamente sollen daher nicht zur Vorbeugung von Fieberkrämpfen eingesetzt werden. Sie können Schmerzen lindern und das Befinden deutlich beeinträchtigter Kinder verbessern.
„Bei Ibuprofen und Paracetamol müssen die Alters- und Gewichtsgrenzen, die Dosierung und die vorgeschriebenen Abstände zwischen den einzelnen Gaben beachtet werden. Bei Säuglingen unter drei Monaten darf eine Medikamentengabe die notwendige ärztliche Abklärung keinesfalls verzögern“, mahnt Prim. Univ. Prof. Dr. Reinhold Kerbl.
Bei bestimmten Vorerkrankungen gelten besondere Empfehlungen
Bei Kindern mit bestimmten Vorerkrankungen, etwa onkologischen Erkrankungen (Krebserkrankungen) oder Immundefekten, muss das Vorgehen bei Fieber individuell mit dem behandelnden ärztlichen Team abgestimmt werden. Ihr Risiko für schwere Infektionen kann erhöht sein, eine rasche Behandlung ist daher umso wichtiger.
Fieberfrei bedeutet nicht zwingend „nicht mehr ansteckend“
Nach einem fieberhaften Infekt sollten Kinder und Jugendliche mindestens einen Tag wieder fit und ohne fiebersenkende Medikamente fieberfrei sein, bevor sie eine Gemeinschaftseinrichtung besuchen. Fieberfreiheit bedeutet jedoch nicht automatisch, dass das Kind nicht mehr ansteckend ist. Bei bestimmten Infektionskrankheiten gelten zusätzliche Vorgaben für die Rückkehr. Je nach Erkrankung und den geltenden örtlichen Vorgaben kann außerdem eine ärztliche Bescheinigung für die Wiederaufnahme erforderlich sein.
Wiederkehrendes und periodisches Fieber
Im Kleinkindesalter sind bis zu zehn fieberhafte Episoden pro Jahr möglich, v.a. durch den Erstkontakt mit verschiedenen Viren. Vorsicht ist geboten, wenn eines der oben genannten Warnzeichen hinzukommt – dann ist immer eine ärztliche Untersuchung angezeigt. Selten gibt es auch sogenannte „Fiebersyndrome“ mit (meist im Abstand von mehreren Wochen) immer wieder auftretenden Fieberepisoden ohne erkennbare Ursache. Diese erfordern eine erweiterte Abklärung, gelegentlich auch eine genetische Untersuchung, und in weiterer Folge manchmal eine spezifische Therapie.
Weitere aktuelle Informationen rund um das Thema "Kindergesundheit" finden Sie auf der Internetseite der Österreichischen Gesellschaft für Kinder- und Jugendheilkunde (ÖGKJ) für Eltern und Interessierte unter www.kinderaerzte-im-netz.at.
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